Die historischen Bücher der Schützenbruderschaft

von Rüdiger G. Wisse

 

Ursprung und Geschichte einer Bruderschaft werden belegt durch schriftliche Hinterlassenschaft. Oft sind aber solche Unterlagen im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen oder durch widrige Umstände wie Brand oder auch Krieg vernichtet worden. Glücklicherweise ist unsere Bruderschaft noch im Besitz von sechs originalen handgeschriebenen Büchern, denen wir das Prädikat historisch zuordnen. Leider sind andere bekannte Bücher nicht mehr in unserem Besitz. Sie sind im Laufe der Zeit abhanden gekommen.

 

Die das Datum 1450 bezeugenden Original-Sterberegister befinden sich im Kreisarchiv des Märkischen Kreises in Altena. Es sind zwei Bücher im Format 33x10,5x0,5 cm und 21x17x3,5 cm . Auf der ersten Seite ist niedergeschrieben: Verzeichnis deren so auf der uralten Bruderschafft des Heiligen Humperi patronen der Capellen zu Müschede Gottseelich von Anno 1450, bis hie hin verstorben.

 

Beide Bücher stammen aus dem Nachlass des Johann Suibert Seibertz (+1871). Um das Jahr 1849/50 äußerte das Generalvikariat in Paderborn die Hoffnung, Seibertz könne zur Aufklärung der früheren Bruderschaftsgeschichte beitragen, und so übergab man ihm die Sterberegister. Leider wurden sie aber nie zurückgegeben. Seine Erben verkauften um 1900 seinen großen Nachlass und Landrat Dr. Fritz Thommée erwarb einen Teil davon, unter anderem das Sterberegister. Beide Bücher wurden vor längeren Jahren in der Restaurierungswerkstatt des Westf. Archivamtes Münster von Grund auf renoviert. Das Sterberegister wurde im Jubiläumsjahr 2000 im Rahmen einer größeren historischen  Ausstellung im Hubertushaus vom 30. April bis 1. Mai sowie auf dem Schützenkommers am 2. Juni 2000 in der Schützenhalle interessierten Besuchern zugänglich gemacht.

 

Weitere Informationen zu diesen Büchern finden sich im Jubiläumsfestheft 2000 in dem Bericht „Ein Sterberegister als Geburtsurkunde“.

 

Wilhelm Voss-Gerling schreibt in dem 1989 von der Müscheder Kolpingfamilie herausgegebenem Buch „Müschede – Eine Chronik“ von einem Originalverzeichnis, welches 1937/38 noch existierte und er selber habe einsehen können. Auf der Titelseite stand das Wort „Confraternitas“, was auf deutsch Bruderschaft heißt. Nach katholischem Verständnis ist eine Bruderschaft ein kirchlicher Verein, der nicht nur Werke der Frömmigkeit und Caritas, sondern besonders auch die Förderung des öffentlichen Gottesdienstes zum Zweck hat (CIC can 707). Wenn das erwähnte Verzeichnis wirklich das Original war, so trägt die Bruderschaft diesen Namen schon von seinem Beginn an. Über den Verbleib dieses Verzeichnisses ist leider nichts bekannt.

 

Ein Protokollbuch vom 24. April 1894 bis 18. Juni 1922 ist uns im Original erhalten geblieben. Es ist eine schwarze Kladde mit den Maßen 34x22x1,7 cm, versehen mit einem Aufkleber, auf dem „Protokollbuch der Hubertusbruderschaft Müschede“ steht. Von diesem Protokollbuch gibt es eine als Buch gebundene Photokopie und eine gebundene mit Schreibmaschine geschriebene Abschrift.

 

Das folgende Protokollbuch vom 22. April 1923 bis 5. Januar 1958 ist ebenfalls im Original erhalten geblieben. Die schwarze Kladde mit dem Maßen 32,5x22x1,7 cm hat allerdings keinen Aufkleber mit Inhaltsangabe. Von diesem Protokollbuch existiert auch eine mit Schreibmaschine geschriebene, als Buch gebundene,  Abschrift.

 

Erneuert: Müschede im Jahre 1850. Hüttemann Lehrer

Dies steht auf der ersten Seite unten des Verzeichniß der Verstorbenen, aus der Bruderschaft des heiligen Hubertus, Patronen der Kapelle zu Müschede.  Dieses Verzeichnis mit den Maßen 20x17x1,2 cm ist eine Nachschrift von 1850 des Original-Sterberegisters, welches – wie schon erwähnt – im Kreisarchiv in Altena lagert. Wie im Original ist der erste Eintrag aus dem Jahr 1499 unter der Nummer 1 Der wohlerwürdige Herr Wilhelm Fretzeken Pastor. Das nur zur Hälfte beschriebene Buch endet unter der laufenden Nummer 1117 Wwe Caspar Henne vom 29.IV.1939. Das Original-Sterberegister 2. Buch endet dagegen schon im Jahr 1825 mit Heinrich Hake gt Petersmann endet.

 

Der 1. Landrat des Kreises Arnsberg, Thüsing, setzte 1826 unter Zustimmung des Hüstener Pastors Lohne und der Gemeindevertretung die Zwangsenteignung und Auflösung der St. Hubertus Bruderschaft durch. Mit einer Beschwerde gegen die Regierung wandten sich 1847 die 15 noch vorhandenen Schützenbrüder an das preußische Ministerium und forderten die Rückgabe der Bruderschaftsländereien. 1850 entschied das Ministerium zugunsten der Bruderschaft. Mit dieser wirtschaftlichen Grundlage versehen gaben sich die 15 Schützenbrüder am 9. Juni 1850 eine neue Satzung, die niedergeschrieben wurde im Statutenbuch der Hubertus Bruderschaft zu Müschede. Dieses Originalbuch, 20x17x1,8 cm, enthält außerdem ein Mitgliederverzeichnis, welches unter der laufenden Nummer 475 im Jahr 1897 mit Grewe Josef Hüsten endet.

 

Von diesem Statutenbuch von 1850 gibt es eine Abschrift mit den Maßen 21,7x17,5x2,8 cm. In dieser sind die Nachträge an Paragraphen und Namensergänzungen des Original-Statutenbuches chronologisch eingereiht. Die Abschrift wird entstanden sein zwischen 1871 und 1908, der Kurrentschrift nach eher gegen 1871. Auf den ersten Seiten des Buches finden wir einen Aufsatz „Die Geschichte der Hubertus-Bruderschaft zu Müschede“. Das Original befindet sich in den Blättern zur näheren Kunde Westfalens, 1871, Nr.1, Seite 25 ff. Verfasser ist der berühmte Heimatforscher Justizrat Seissenschmidt. Am Ende des Aufsatzes gibt es den handschriftlichen Vermerk „Müschede im Jahre 1908, Otto Reuther, Oberprimaner“. Diese Abschrift enthält auch das Mitgliederverzeichnis von 1850 bis heute. Alle neuen Mitglieder werden jährlich handschriftlich in dieses Buch eingetragen.

 

Die beiden Statutenbücher sowie das Sterberegister von 1850 bedürfen noch weiterer intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen. Wir hoffen, in naher Zukunft hierzu weitere Informationen geben zu können.

 

Im Jahr 2014 wurden der Bruderschaft aus dem Nachlass eines vor längerer Zeit verstorbenen Schützenbruders ein weiteres handgeschriebenes Protokollbuch vom 9. März 1958 bis 22. Juni 1970 sowie ein Aktenordner mit auf Schreibmaschine geschriebenen Protokollen vom 3. Dezember 1971 bis 5. November 1983 zurückgegeben. Das handgeschriebene Protokollbuch ist wie seine Vorgänger eine schwarze Kladde mit den Maßen 34x22x1,7 cm.